Ehemaliges US-Generalkonsulat
Bessermachen konnten wir diese Architekturikone nicht, wohl aber auf den Stand von heute bringen
  • Ort
    Düsseldorf
  • Objekt
    Revitalisierung eines denkmalgeschützten Gebäudes
  • Bauherrin
    Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG
  • Entwurfsverfasser
    Caspar Schmitz-Morkramer
  • Planungs- und Bauzeit
    2014–2017
  • Leistungsphasen
    1–5, 8 (künsterlische Oberleitung)
  • Brutto-Grundfläche (oi/ui)
    2.100 m²/510 m²
  • Auszeichnungen
    German Design Award 2019;
    Iconic Awards 2018
  • Fotos
    HGEsch
  • Dieses Projekt stammt aus der gemeinsamen Zeit von meyerschmitzmorkramer.

Das ehemalige US-Generalkonsulat an der Düsseldorfer Cecilienallee wurde 1953 nach Plänen des Büros SOM Skidmore, Owings & Merrill (Chicago) im charakteristischen International Style gebaut. Architekturgeschichte wurde mit dem Bau nicht nur durch seine vierfache Ausführung in verschiedenen deutschen Städten geschrieben, sondern durch die Handschrift des damaligen SOM-Partners Gordon Bunshaft, der 1988 mit dem Pritzker Preis ausgezeichnet wurde. Seit dem Auszug des Konsulats 1990 steht das Ensemble unter Denkmalschutz, zur Vermietung wurde es mehrfach modernisiert, 2014 schließlich verkauft an die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG. Die neue Eigentümerin hat uns die umfassende Sanierung, Modernisierung und energetischen Ertüchtigung dieser doch so bescheiden auftretenden Architekturikone anvertraut. Entsprechend sensibel und mit großer Affinität zum Original haben wir unsere Maßnahmen und Eingriffe geplant und durchgeführt.

Leichtes und Schweres

SOM haben das Generalkonsulat in Zusammenarbeit mit dem deutschen Architekten Otto Apel als ein Ensemble aus einem aufgeständerten viergeschossigen Verwaltungstrakt und einer quer dazu stehenden flachen Eingangshalle entworfen. Der Stahlskelettbau mit drei Büroetagen erscheint in strenger Ordnung, dabei maximal modern gedacht. Selten sieht man Proportion und Fügung so ausgewogen, Material und Konstruktion auf eine Weise perfektioniert, dass Stahl und Stein alles Schwere verlieren.

Im Gegensatz dazu steht die Eingangshalle. Als sei das Sockelgeschoss um 90 Grad aus seiner Position unter dem Haupthaus herausgedreht, steht es nur noch mit seinem Kopf darunter. Hier findet man der Repräsentation gewidmet das Solide, das vermeintlich Tragende, innen wie außen mit schwarzem Marmor verkleidet. An der Schnittstelle liegt das Eingangsfoyer, an der hinteren Fassade die Vertikalerschließung. Ein dritter, nachträglich hinzugefügter Baukörper spiegelt das Bürohaus, ein geschützter Binnenraum entsteht.

Neues und Altes

Denkmalschutz, Klimaschutz und Arbeitsschutz, jedes dieser Ziele hat seine Berechtigung, sie alle drei wirtschaftlich zu erreichen war eine große Herausforderung, die wir gerne angenommen haben. Eine Auflage des Denkmalschutzes war der Erhalt der Fassade, dagegen sprach die Bauphysik – Klima und Schall. Deshalb ließen wir sie den heutigen Standards entsprechend nachbauen. Die Fensterprofile konnten so schlank hergestellt werden wie die Originale der 50er Jahre, dabei entsprechen sie den heutigen Normen. Dass die Ansicht der Fassade heute kaum eine andere ist als damals, liegt auch daran, dass wir die wertvollen originalen Travertinelemente wieder in die Brüstungen einsetzen konnten. Anders dagegen war die im Inneren vorgefundene Situation, hier gab es wenig Originalsubstanz, so dass wir mit unserer Gestaltung ein neues Bild erzeugen konnten, in das wir den Stil des Mid-century modern mit der Auswahl von Farben und Materialien und der charakteristischen eleganten Formgebung einfließen ließen.

Offen und fokussiert

Die Eingangshalle nutzt die Treuhand AG für Kommunikation und Begegnung. In das eindrucksvolle Entree mit schwarzen Marmorwänden und Juraböden haben wir einen neuen Empfangstisch eingestellt. Den großen Raum haben wir funktional gegliedert, um Besprechungsräume in unterschiedlichen Größen, sowie eine auf den Innenhof orientierte Cafeteria und eine kleine Bibliothek anbieten zu können. Funktionales, Technik, Stauraum und farbige Sitzgelegenheiten finden Platz in der hochfunktionalen Innenwand. Die drei Büroetagen des Haupthauses sind identisch organisiert. Dem Raster entsprechend gibt es zur Straße liegend größere Zellenbüros, auf der Gartenseite kleinere. Aufgelöst wird die klassisch strenge Ordnung in der offenen, zum informellen Austausch einladenden Kommunikations- und Servicezone, die direkt an das gläserne Treppenhaus anschließt.

Projektteam