Tempora
Die Inszenierung des temporären Theaters
  • Ort
    Stuttgart
  • Objekt
    Neubau der Interimsspielstätte für die Württembergischen Staatstheater Stuttgart
  • Verfahren
    Hochbaulicher Realisierungswettbewerb (keine Platzierung)
  • Auslober
    Landeshauptstadt Stuttgart, Referat Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen, Liegenschaftsamt
  • Entwurfsverfasser
    Caspar Schmitz-Morkramer und Thomas Rau
  • Tragwerksplanung
    Knippers Helbig
  • TGA und Energiekonzept
    IB Hausladen
  • Brandschutz
    hhp Berlin
  • Landschaftsarchitektur
    OKRA
  • Raumakustik
    Nagata Acoustics
  • Bühnentechnik
    Susanne Lehmann
  • Planungszeit
    2023
  • Brutto-Grundfläche
    47.099 m²
  • Visualisierungen
    moka-studio;
    caspar.rau

Während der Sanierung und Erweiterung seines Stammhauses soll das Württembergische Staatstheater Stuttgart einen Interimsstandort auf dem Areal C1 um die Wagenhallen bekommen. Im Kontext der IBA 27 entsteht dort die Maker City, ein gemischt genutztes, experimentelles Stadtquartier. Aufgabe des 2023 von der Stadt Stuttgart ausgelobten Wettbewerbs war der Entwurf einer eines nachhaltigen Stadtbausteins mit einer hybriden Nutzung von Wohnen und Arbeiten, der in den ersten 10 Jahren als Interimsstandort für das Württembergisches Staatstheater Stuttgart dient. Gemeinsam mit RAU architects haben wir den von Scharoun entwickelten demokratischen Konzerthaus-Typus des Weinbergs für unser „Tempora genanntes Projekt, von innen nach außen gekehrt.  Der treppenförmige Aufbau des Weinbergs erzeugt eine Kaskade von Besucherterrassen, die wir als Teil eines ökologisch und sozial gedachten Städtebaus im Weinland Baden-Württemberg sehen. Viele Bauteile sind nach der bis 2037 geplanten Theaternutzung rückbaubar und im Sinne nachhaltiger Weiterverwendung in die Maker City integrierbar.

Bauen als Ressource

Die im Masterplan für die Maker-City gesetzten Blöcke brechen wir in kleinteilig rhythmisierte Cluster mit Innenhöfen, Durchwegung und einer grünen Terrassenlandschaft auf, um die Bildung von Nachbarschaften während und nach der Theaternutzung anzuregen. Das Herzstück des temporären Theaters, bestehend aus Saal, Bühne und Bühnenturm, ist eine Stahlkonstruktionen, die, da verschraubt und nicht verschweißt, vollständig rückbaubar und als Ganzes wiederverwendbar ist. Das Foyer ist ein demontierbarer und modularer Bau aus Holz, das nach der Nutzung vom Holzbauer zurückgenommen wird, dasselbe gilt für die Glasfassade. Viele Bauteile können direkt vor Ort wiederverwendet werden. Sonderräume wie der Orchesterprobesaal, die Ballettsäle oder die Werkstatt bieten vielfältige Optionen zur Nachnutzung und können zu Ankerpunkten der Maker City werden. Der Freiraum der Tempora fördert die Biodiversität in der Stadt und integriert sich in die lokale Fauna ebenso wie in die Landschaft des Masterplans für den zukünftigen Stadtteil. Ein grünes Netzwerk, begrünte Fassaden, bepflanzte Freitreppen und Bauminseln zieht sich durch alle Ebenen des Gebäudeensembles.

Theater neu erleben

Zum Erlebnis von Oper und Theater tragen sowohl Raumakustik als auch Raumgefühl maßgeblich bei. Unser Entwurf sucht die Balance zwischen der Erlebnisqualität und der Pragmatik einer temporären Spielstätte und nimmt dafür ein Mehr an Komplexität zu Gunsten der Erlebnisqualität in Kauf. Die Raumgeometrie schafft z. B. hervorragende akustische und visuelle Intimität und zielt auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen hoher Klarheit und Verständlichkeit einerseits sowie Reichhaltigkeit und Klangfülle andererseits ab. Barrierefreie Sitzplätze sind über den gesamten Saal verteilt; auch Zuschauer:innen mit Einschränkungen haben alle Klang‐ und Sichtoptionen. Die temporären Bauteile der Tempora sind mit farbigen, rezyklierten Fassadenplatten verkleidet; die Glasflächen des Foyers ist ein selbsttragende Vorhangfassade, teilweise mit integrierten PV‐Elementen, die auch zur Verschattung dienen. Tempora wird das erste mit Wasserstoff CO2‐frei betriebene Theater der Welt sein.

Projektteam
  • Johannes Feder
  • Gereon Berz
  • Jutta Göttlicher
  • Julian Kraemer
  • Philipp Meise
  • Joachim Otte
  • Jonas Ritgen
  • Esteban Serrano Castelló
  • Dennis Grootenboer
  • Nafeesa Hamza
  • Tobias Kumkar
  • Marta M Roy Torrecilla