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OrtKiel
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ProjektEntwicklung eines städtebaulichen und anschließend hochbaulichen Entwurfs für einen Teil des Kieler Stadtteils Gaarden
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VerfahrenNicht offener, anonymer, zweiphasiger, städtebaulich – hochbaulicher Wettbewerb
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AusloberTom Kyle Quartier GmbH
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EntwurfsverfasserCaspar Schmitz-Morkramer
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Nachhaltigkeit und TGAWerner Sobek AG
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Planungszeit2023–2024
Auf einem bislang unzugänglichen Teil des Kieler Stadtteils Gaarden entsteht ein neues Quartier mit maritimer Geschichte und zukunftsweisendem Anspruch: die Werftterrassen. Für rund 3.000 Menschen entsteht hier ein vielfältiges Wohnumfeld, das Topografie, Architektur und Mobilität zu einem lebendigen Ganzen verbindet.
Die Werftterrassen liegen auf einem Gelände, dessen markante Einschnitte auf die industrielle Vergangenheit der ehemaligen Germaniawerft zurückgehen. Ziel unseres Entwurfs war es, die vorhandene Topografie behutsam zu modellieren und dabei Barrieren zu vermeiden. Vom zentralen Quartiersanger bis zum Pastor-Gosch-Weg entsteht ein öffentlicher Grün- und Wegeverlauf mit Spiel- und Sportbereichen, Kiosk und WC-Anlagen. Terrassen öffnen den Blick zur Hörn und zur Förde.
Adressbildung, Entsiegelung, Vernetzung und nachhaltige Mobilität prägen den Entwurf ebenso wie eine vielfältige Mischung an Wohntypologien: vom geförderten Wohnungsbau über Familienwohnungen bis zu Cluster- und Studentenapartments.
Ein einheitlicher Gestaltungskanon sorgt für Identität und Wiedererkennung. Er definiert Baukörpervolumen, Fassadengliederung und Materialien für alle Baufelder – mit Bezug auf den umgebungsprägenden roten Backstein, variantenreich eingesetzt. Wechselnde Dachformen mit extensiver Begrünung steigern das Retentionsvolumen, fördern Biodiversität und bieten gemeinschaftliche Dachterrassen. Photovoltaik-Anlagen ergänzen das Energiekonzept.
In der zweiten Wettbewerbsphase wurden die einzelnen Baufelder architektonisch konkretisiert – als solitäre Gebäude mit eigenem Charakter, eingebettet in das städtebauliche Gesamtkonzept.
An Karstal- und Werftterrasse bildet Blau A einen klaren Blockrand. Ein großzügiger Innenhof mit Spiel- und Aufenthaltsflächen schafft ein familienfreundliches Wohnumfeld. Z-förmige Grundrisse ohne Korridore bieten fließende Raumsequenzen und flexible Wohnformen – vom Loft bis zum betreuten Wohnen. Gewerbeflächen im Erdgeschoss können als Quartiersräume oder Gastronomie genutzt werden. Holz-Hybrid-Konstruktion, recycelte Klinker, PV-Anlage, Retentionsdach, Eisspeicher und Regenwassernutzung bilden ein nachhaltiges Fundament.
Rot B schließt einen markanten Blockrand ab, öffnet sich jedoch bewusst zum Anger. Vielfältige Grundrisse, doppelt hohe Räume und betreutes Wohnen richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Gemeinschaftsräume, mietbare Ateliers und Zusatzangebote wie Gästewohnungen fördern Begegnung und Flexibilität. Auch hier sorgen Hybridbauweise, recycelte Klinker, PV-Anlage und begrünte Dächer für ökologische Qualität.
Grün C ergänzt bestehende Gebäude zu einem gemeinschaftlich nutzbaren Gartenhof. Barrierearme Wohnungen im Erdgeschoss sind für altersgerechtes Wohnen konzipiert und bleiben zugleich flexibel nutzbar. Zwei Gewerbeeinheiten bieten Raum für Gastronomie, Pflege oder Nachbarschaftsangebote. Fassadennistkästen, heimische Bepflanzung, Regenwassernutzung und ein intensiv begrüntes PV-Retentionsdach verbinden Natur und Stadt.
Die Werftterrassen sind Teil des Leitbilds der „15-Minuten-Stadt“: Einrichtungen des täglichen Bedarfs, Bildung, Freizeit und ÖPNV sind schnell und sicher zu Fuß oder per Rad erreichbar. Ein feinmaschiges Wegenetz bindet das Quartier an die Nachbarschaft an.
Der motorisierte Individualverkehr wird reduziert – durch Carsharing, E-Ladestationen und zentrale oder baufeldbezogene Tiefgaragen. Kurze Wege, gute ÖPNV-Anbindung und neue Tramlinien fördern umweltfreundliche Mobilität.
- Entwurfsverfasser
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Caspar Schmitz-Morkramer
- Projektleitung Entwurf
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Stephan Wieland
- Entwurfsteam
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Sara Ipakchi
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Sarah Dann
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Waleed Elrakaiby
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Julian Kraemer
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Paula Beham