Spektakuläre Innenstadttransformation: ppp mit caspar. in der UNESCO-Altstadt
Die Stadt Lübeck hat die Pläne zum „Bildungshaus“ vorgestellt, das das ehemalige Karstadt-„Haus B“ zu einem „Zentrum für Bildung, Kultur und Begegnung“ in der UNESCO-geschützten Altstadt macht

Das Verhandlungsverfahren für den Umbau und die Neuprogrammierung des leerstehenden Gebäudes hatte das federführende Lübecker Büro ppp zusammen mit caspar. gewonnen. Wir waren insbesondere an der Ideenfindung, der Entwicklung des Nutzungskonzepts sowie der Projektdarstellung bzw. -kommunikation beteiligt.

Das „Bildungshaus“ mit insgesamt ca. 9.500 m² Bruttogeschossfläche soll 2028 eröffnet werden. In ein und demselben Konzept verbindet es innovative Impulse zur Arbeit im Bestand und im besonderen städtebaulichen Kontext, zur Schul- und Kulturarchitektur, zur Verkehrswende, zur Innenstadt-transformation, zum öffentlichen Leben und zur Stadtreparatur.

In der Pressemitteilung der Stadt heißt es:
„ ‚Mit dem Vorentwurf legen wir den Grundstein für einen lebendigen Bildungs- und Begegnungsort mitten in Lübeck – einen Treffpunkt, an dem Menschen aller Generationen zusammenkommen, Ideen entwickeln und voneinander lernen‘, betont Bürgermeister Jan Lindenau. ‚Gleichzeitig setzt das Projekt wichtige Impulse für die Stadtentwicklung: Die aktuelle Zwischennutzung als ÜBERGANGSHAUS und die geplante Nachnutzung als Bildungshaus zeigen, wie Leerstände sinnvoll aktiviert werden können. So wird das Gebäude nicht nur zum Symbol des Wandels, sondern auch zum Motor für eine nachhaltige Belebung der Lübecker Innenstadt.‘ Bausenatorin Joanna Hagen sieht im Bildungshaus ein Vorbild für den städtebaulichen Wandel: ‚Gerade in unserer UNESCO-geschützten Altstadt ist es entscheidend, zukunftsfähige Konzepte für Bestandsbauten zu entwickeln, die sich gut in das historische Gesamtbild einfügen. Der Vorentwurf zeigt dabei, wie nachhaltige Stadtentwicklung gelingen kann. Das Bildungshaus wird die Innenstadt beleben, neue Nutzungsperspektiven eröffnen und wichtige Impulse für die Stadt von morgen setzen.‘ “

Das Bildungshaus gibt den vier Lübecker Altstadtgymnasien – dem Johanneum, dem Katharineum, der Ernestinenschule und der Oberschule zum Dom – dringend benötigte zusätzliche Lernräume. Dass Schulen mehr Räume brauchen, neue und andere, ist kein Lübecker, sondern ein bundesweites Problem. „Neue Schulen braucht das Land“, titelte die Süddeutsche Zeitung im September 2024 und fragte: „Wie schafft man Schulen mit mehr Platz, wenn die Ressource Raum in so vielen Städten hart umkämpft ist […]?“

Zum Beispiel, indem man, wie das Bildungshaus, städtischen und schulischen Raum zusammendenkt und -bringt. Und hochschulischen Raum ebenso, denn weitere Nutzer:innen sind die Musikhochschule Lübeck, die Universität zu Lübeck, die Technische Hochschule Lübeck und der Offene Kanal Lübeck. Doch darüber hinaus entstehen eben vielfältige Räume für kulturelle und öffentliche Veranstaltungen, die der gesamten Stadtgesellschaft offenstehen.

Kernidee des Umbaus ist ein über alle Geschosse mittig angelegtes Atrium zur Belichtung und Belüftung. Um dieses werden sich in den fünf Obergeschossen – abgeschirmt vom Trubel der Stadt –, zukünftig die Lernräume der Schulen gruppieren. Das Erdgeschoss hingegen öffnet sich maximal und wird gemeinsam mit dem Untergeschoss als multifunktionaler Veranstaltungsraum mit Café, Bühne und Tribüne allen Bürger:innen zugänglich sein. Im Untergeschoss – genauer: in der vorhandenen Unterbauung – entsteht außerdem ein Fahrradparkhaus mit stattlichen 400 Stellplätzen. Die sind aber nicht nur die Schüler:innen gedacht, sondern für alle Lübecker:innen: Das Bildungshaus soll auch ein Haus der Verkehrswende sein, indem es nachhaltig zur Abkehr vom PKW auffordert.

Ganz oben wiederum findet sich ein weiterer Entwurfsschwerpunkt: das Dach, dessen Umbau, wie das gesamte Projekt selbst, elementare Bedürfnisse von Innenstadtreparatur und -transformation miteinander verbindet: Eine zweigeschossige, vorgefertigte Holzkonstruktion, die die Technikzentrale ersetzt, fügt sich mit ihrer rostroten Farbgebung harmonisch in die Altstadt ein. Der städtebauliche Kontext ist immer wichtig, aber viel wichtiger als in diesem Falle, einer Welterbe-Altstadt, geht es denn auch nicht. Wichtiger als je zuvor sind aber auch öffentliche Erholungs- und Freiräume: Großzügige 614 Quadratmeter Dachterrassenfläche erlauben den Bürger:innen einen einzigartigen Blick über die Lübecker Altstadt. Und den Schüler:innen dient die Fläche als Pausenhof der ganz anderen Art. Wir sind gespannt auf die Begegnungen.

Entwurf: ppp architekten + stadtplaner, caspar., Wetzel von Seht, KMO Planungsgruppe, TGP Landschaftsarchitekten, oemig + stark
Auslober: GMHL (Gebäudemanagement der Hansestadt Lübeck)
Visualisierung: © ppp/caspar./Paul Trakies