Der Entwurf, den wir im Rahmen des Wettbewerbs zur Neubebauung des „K100“ am Ettlinger Tor erstellt haben und der nun mit einer Anerkennung ausgezeichnet worden ist, setzt ein starkes städtebauliches Statement im Herzen von Karlsruhe. Auf dem bislang monofunktional genutzten Areal an der Kriegsstraße entsteht ein urbanes, durchmischtes und zukunftsfähiges Quartier, das historische Bezüge aufnimmt und gleichzeitig eine klare Vision für die Stadt von morgen formuliert. Die städtebauliche Grundidee verbindet die klassische Blockrandstruktur Karlsruhes mit einer neuen Offenheit: Gezielte Durchwegungen, Sichtbeziehungen und differenzierte Freiräume schaffen einen durchlässigen Stadtraum, der das Quartier selbstverständlich in sein Umfeld einbettet – zwischen Markgräflichem Palais, Staatstheater, Ettlinger Tor und der neuen Hochhauskante am Innenstadtrand.
Zentrum der Idee ist eine „Stadt für Menschen“: sozial aktivierend, inklusiv, klimaresilient und lebendig. Das Quartier wird zum öffentlichen Ort, der Begegnung, Teilhabe und Vielfalt fördert – ein neuer sozialer Knotenpunkt für Karlsruhe.
Das städtebauliche Konzept basiert auf drei klar gegliederten Stadtbausteinen, die einen zentralen Quartiersplatz rahmen – die öffentliche Mitte, die alle Nutzungen miteinander verknüpft. Die Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Hotel, Boardinghouse, Nahversorgung und Gastronomie schafft ein urbanes Alltagsquartier mit hoher Adressbildung.
Bauteil 1: Markanter Auftakt an Karl-Friedrich-Straße und Ettlinger Tor; Einzelhandel, Gastronomie und flexible Büro-/Bildungsflächen.
Bauteil 2: Der 84 m hohe Nutzungsturm an der Kreuzstraße – ein hybrides Ensemble aus Hotel, Boardinghouse und Wohnen, gekrönt von einer öffentlich zugänglichen Skybar mit Dachterrasse.
Bauteile 3 & 4: Wohnnutzungen, Kita, Mobility Hub, Nahversorgung und gemeinschaftliche Dachgärten.
Die Wegeführung orientiert sich an einer feinmaschigen Stadtstruktur mit Blickachsen zum Palais und der Via Triumphalis. Die städtebauliche Kante zur Kriegsstraße wird gestärkt, ohne die Durchlässigkeit zu verlieren.
Das Freiraumkonzept knüpft an Theaterlandschaft und Palaisgarten an: „Grüne Inseln“ strukturieren den öffentlichen Raum, fördern soziale Interaktion und verbessern das Mikroklima. Ein Wasserspiel sorgt für Abkühlung und atmosphärische Qualität. Bestehende Bäume bleiben erhalten und werden durch klimaresiliente Arten, Dachgärten und begrünte Fassaden ergänzt.
Das „Quartier am Palais“ verfolgt ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept, das Energie, Mobilität, Ressourcen und Klima gleichermaßen berücksichtigt. Ein dezentraler Energieansatz mit Fernwärme, Luft-Wärmepumpen und flächenintegrierten Heiz-/Kühlsystemen ermöglicht hohe Effizienz. Photovoltaik auf Dächern und Fassaden sowie bidirektionale Ladeinfrastruktur steigern den Autarkiegrad erheblich.
Die blau-grüne Infrastruktur – bestehend aus Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasserrückhaltung und Verdunstungskühlung – verbessert Wasserhaushalt, Luftqualität und Biodiversität. Eine DGNB-Zertifizierung ist vorgesehen. Holzhybridbauweise für Sockel- und Riegelbauten, CO₂-reduzierte Betone, modulare Grundraster und ein markant gesetzter Hochpunkt schaffen Flexibilität und Langlebigkeit. Helle mineralische Fassaden kombiniert mit warmen Holzelementen interpretieren die Karlsruher Bautradition zeitgenössisch.
Es entsteht ein Quartier, das nicht nur gebaut, sondern gelebt wird – ein identitätsstiftender Ort des Austauschs und ein bedeutender Baustein für die urbane Zukunft Karlsruhes.
Wir gratulieren Max Dudler mit BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten zum 1. Preis sowie Lederer Ragnarsdóttir mit Baumschlager Eberle Architekten und LUZ Landschaftsarchitektur zum 2. Preis!
Concept team: caspar., studio grüngrau, Buro Happold, Werner Sobek, Gruner
caspar.team: Caspar Schmitz-Morkramer (Entwurfsverfasser), Erik Nohr (PL), Corinna Masi, Marie-Elén Wehder, Clara Wilkes, Philipp Meise