1. Preis im Werkstattverfahren für das Karstadt-Areal in Bielefeld
Stadtreparatur! Belebung! Adressbildung!

Wir haben das Werkstattverfahren zur Neugestaltung des ehemaligen Karstadt-Areals in der Bielefelder Innenstadt gewonnen! Die Grevener Sahle-Unternehmensgruppe hatte die 8.815 Quadratmeter große Fläche zwei Jahre nach Schließung der Filiale gekauft und den Wettbewerb initiiert.

Wir beleben. Wir beleben programmatisch durch einen Nutzungsmix (im Erdgeschoss Handel, Gastronomie und Hotelfunktionen; in den Obergeschossen folgen Hotel, Service Apartments und Seniorenwohnen als ruhigere Nutzungen). Städtebaulich hingegen beleben wir vor allem dadurch, dass wir die Neubaumasse bewusst in mehrere ablesbare Teilvolumen gliedern. Ensemble statt Monolith! Fugen, Rücksprünge, Gelenke und differenzierte Baukörperbreiten übersetzen die Größe des Projekts in eine der Innenstadt angemessene Maßstäblichkeit.

Nach außen entsteht an jeder einzelnen der drei Straßenfronten eine klare städtebauliche Kante mit einer eindeutigen Orientierung und einer jeweils eigenen Identität im Stadtraum. Oder wie es die Bielefelder Bau- und Wirtschaftsdezernentin Claudia Koch ausdrückt: „Es gibt praktisch keine Rückseite. Jede Front ist extrem hochwertig und unterscheidet sich von der anderen.“

Die Bahnhofstraße wird als zentrale Einkaufsachse durch aktive Erdgeschosszonen gestärkt. Die Arndtstraße übernimmt die Rolle eines urbanen Übergangsraums mit öffentlicher Präsenz, während die ruhigere Friedenstraße durch wohnorientierte Nutzungen geprägt wird. Den zentralen öffentlichen Ort des Ensembles bildet ein Quartiersplatz an der Ecke Bahnhofstraße/Arndtstraße.

Im Inneren des Blocks werden die bisher unklaren Restflächen zu ruhigen, klar gefassten und begrünten Höfen umgestaltet. Auch Dächer sollen als nutzbare Freiräume aktiviert werden; auf anderen werden PV-Module installiert. Unser Fassadensystem greift die Idee „Belebung durch Beruhigung“ auf seine eigene Weise auf: Einerseits sorgt es für den übergeordneten Zusammenhalt, während es andererseits die einzelnen Baukörper ablesbar macht, indem zum Beispiel Material- und Detailvariationen die Häuser differenzieren. Die Gebäude an der Ecke Bahnhofstraße / Arndtstraße werden in einer sandfarbenen Naturstein- und Muschelkalkfassade ausgebildet (und eignen sich besser für die städtebaulich prägnantere Situation). Die Wohngebäude entlang der Friedenstraße hingegen sind in Klinker ausgeführt – und reagieren damit auf den kleinteiligeren, ruhigeren Kontext.

Konstruktiv basiert das Projekt auf einem flexiblen Skeletttragwerk mit regelmäßigem Stützenraster. Das ist – ebenso wie die klare Trennung von Tragwerk und Ausbau – insbesondere dann wichtig, wenn man flexible Umnutzungen ermöglichen, also zukunftsfähig sein will. Denn diese Struktur ermöglicht unterschiedliche Nutzungen innerhalb eines einheitlichen Systems und schafft langfristige Anpassungsfähigkeit.

Die Konstruktion folgt außerdem dem Prinzip der Ressourceneffizienz: Spannweiten sollen optimiert werden; Material soll möglichst sparsam und in möglichst CO₂-reduzierter Form eingesetzt werden. Ein integrativer „Low-Tech+“-Ansatz nutzt zudem die bauphysikalischen Eigenschaften des Gebäudes, um den Energiebedarf zu minimieren.

Bauherrin: Sahle Baubetreuungsgesellschaft mbH
Visualisierungen: caspar./ moka-studio
Landschaftsplanung: studio grüngrau GmbH
TGA: DES GmbH
Brandschutz: Corall Ingenieure GmbH
Tragwerskplanung: Werner Sobek AG